IINTEGRALMEDIZIN

DIE SACHE MIT DEM EISEN

 

 

Eisen, gebunden im roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) ist der wichtigste Sauerstoffträger und damit von größter Bedeutung für unseren Stoffwechsel.  60% - 70% der Frauen und etwa 10% der Männer aber leiden unter einem Eisenmangel. Dies führt nicht selten zu unklaren Beschwerden wie Müdigkeit und Energieverlust. Ursache sind bei Frauen vorwiegend die Menstruationsblutungen mit einem jährlichen Blutverlust von bis zu 5 Litern, die heute häufig eisenarme Ernährung und eine oft nicht optimale Eisenresorption im Darm. Auch Schwangere, Kinder, Jugendliche, Vegetarier, Veganer, Sportler, ältere Menschen und erkrankte Menschen mit zum Beispiel  Darm- und Verdauungserkrankungen wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa oder Zöliakie leiden unter oft unter Eisenmangel. 

 

 

SYMPTOME DES EISENMANGEL

 

 

Typische Symptome des Eisenmangels können sein:

 

• Energieverlust, Fatique 

• chronische Erschöpfung

• Schwäche, Unwohlsein, Müdigkeit

• verminderte Leistungsfähigkeit

 Konzentrationsstörungen

 dünnes Haar, Haarausfall

 trockene, unreine Haut

 schlechtes Nagelwachstum

• Infektanfälligkeit

 psychische Labilität

 depressive Verstimmungen

 Stimmungsschwankungen

 Schlafstörungen

• Restless Legs

Eizellqualität / Kinderwunsch

• ADHS

• Kopfschmerzen

 Migräne

 

 

DIAGNOSE DURCH DEN FERRITINWERT

 

 
Entgegen der landläufigen Diktion, ist nicht der Hb-Wert, sondern  der Ferritinwert das wichtigste Mass für den Eisenmangel. Dieser Wert sollte auch bei Frauen optimal um etwa 150 - 200 liegen, wo er allerdings oft nur etwa 5 - 50 beträgt.
 

 

ERNÄHRUNG, TABLETTEN ODER DOCH EISENINFUSIONEN?

 

 

Der oft empfohlene Ausgleich mit Tabletten, Säften oder gar Ernährung gelingt selten. Die Eisenaufnahme über den Darm ist relativ gering und beträgt nur etwa 5-10% des orale aufgenommenen Eisens. Die im Mittel fehlenden 500 - 2000 mg Eisen ließen sich so grobgerechnet nur etwa über 1000 Steaks, 20.000 Teller Linsensuppe oder etwa 50-100 Flaschen Eisensaft auffüllen. Orales Eisen führt bei Vielen zudem zu Magenschmerzen und Verstopfung (Obstipation). Ein Auffüllen leerer Eisenspeicher gelingt zuverlässig in der Regel nur über Eiseninfusionen. Bei 60-90%  der Menschen bessern sich die Beschwerden, Müdigkeit und Energieverlust. Der Stoffwechsel kommt in Schwung und Haut und Haare bessern sich innerhalb von 3 bis 12 Monaten wieder.

 

 

WARUM WIRD EISENMANGEL SELTEN ERKANNT?

 

 

Warum wird der Eisenmangel so selten erkannt?

 

•  Viele Frauen gewöhnen an den chronischen Eisenmangelzustand und bemerken den schleichenden Energieverlust oft nicht. Eine nicht selten um 20-40 % erniedrigte körperliche Energie und Lebensqualität wird oft als Normalzustand vermutet. "Man gewöhnt sich eben dran". Immer mal wieder Müdigkeit, Schlappheit, dünnes Haar, Haarausfall und trockene, unreine Haut werden hingenommen und nicht der chronischen Unterversorgung mit Eisen zugerechnet.

 

•  Überhaupt erst wenn echte Krankheitssymptome auftreten führt dies zum Gang zum Arzt. Hier ist dann oft aber "alles in Ordnung". Es werden nicht die richtigen Werte gemessen.

 

•  In der Regel wird nur der Hb- Wert untersucht. Und noch am unteren Messwert wird dies als Normalzustand betrachtet: "Alles in Ordnung". Die Beschwerden aber bleiben. 

 

•  Die Diagnostik des Eisenmangel setzt die Untersuchung und erfahrene Bewertung des Blutbildes, der Retikulozyten, des CRP, des Ferritin, des Transferins und der löslichen Transferin Rezeptoren voraus. Diese Spezialuntersuchungen werden von den Kassen allderings kaum getragen und deswegen nur selten durchgeführt. Die Beurteilung setzt zudem spezielle Erfahrung des Arztes voraus. 

 

 

DAS EISENMANGEL-SYNDROM

 

 

Bereits 1957 wurde das Eisenmangelsyndrom (IDS) an der Universität Innsbuck erstbeschrieben, 1971 an der Charite in Berlin bestätigt und 1998 in der Schweiz wiederentdeckt. In der Schweiz gilt das Eisenmangel-Syndrom heute als anerkanntes Krankheitsbild. In anderen Ländern ist es bisher entweder nicht bekannt oder wird nicht anerkannt. Uneinheitliche Normwerte für Eisen ("Ihre Werte sind in Ordnung") ein unklares Beschwerdebild ("Das ist Burn-Out oder die Psyche") oder Unkenntnis der Bedeutung der hochspeziellen Laborwerte (u.a. Ferritin, Transferrin, lösliche Transferrinrezeptoren) sind die Gründe für die oft fehlende Diagnosestellung. Beim Eisenmangel-Syndrom zum einen und der echten Blutarmut (Anämie) auf der anderen Seite handelt es sich in einer integralmedizinischen Betrachtung um zwei verschiedene Krankheitsbilder.  

 

 

WARUM DAS EISENMANGELSYNDROM NUR SELTEN ERKANNT WIRD

 

 

Gemäss der in Deutschland gültigen Leitlinie zur Eisenmangelanämie aus dem Jahre 2011 ist der Arzt gehalten den Hb-Wert (Blutfarbstoff) als Parameter für die Verordnung von Eisentabletten heranzuziehen. Erst wenn der Hb-Wert bei Frauen unter 12 g/dl (7,4 mmol/l) und bei Männern unter 13 g/dl (8,1 mmol/l) sinkt soll behandelt werden. Dies ist aber oft zu spät. Vor allem wenn nach oft jahrelangem Eisenverlust teils erhebliche Beschwerden bestehen.

 

 

DER GENAUERE WERT: FERRITIN

 

 

Die offiziellen Grenzwerte für das Serum-Ferritin liegen für Frauen bei 6 bis 120 ug/l und für Männer bei 10-400 ug/l. Es stellt sich die Frage warum hier unterschiedliche Normwerte für Frau und Mann und unterschiedliche Normwerte von Labor zu Labor existieren? Aus guten Erfahrungen in anderen Ländern ist bekannt, dass ein standardisierter Normwert von um 150-300 ug/l - und zwar auch bei Frauen - die besten Ergebnisse und wenigsten Beschwerden bei guten Reserven zeigt.

 

Wissenschaftliche Arbeitskreise arbeiten inzwischen an einer Optimierung der reinen Hb-Wert Sichtweise, die erst bei einer echten Blutarmut überhaupt  handelt. Für viele Eisenmangel Situationen liegen konkrete Vorschläge vor, das Ferritin als Mass für einen Eisenmangel heran zu ziehen. Und hierbei langt es dann auch nicht nur die Untergrenze zu betrachten, sondern es sollten um Reserven zu bilden Werte um 20 % über dem Mittelwert erreicht sein. Viele wissenschaftliche Studien belegen positive Effekte einer Behandlung schon bei leeren Eisenspeichern und nicht erst bei der Blutarmut (Anämie).

 

 

Abb. 1. - Typischer Befund einer Patientin - die den Weg aus Spanien via Internet zu uns fand - mit jahrelangen starken Menstruationsblutungen und erheblichsten Beschwerden. U.a. der Eisenvorrat (Ferritin) ist mit dem Wert 3 extrem geleert. Weniger geht fast nicht. Vom Hausarzt - wie so häufig - lediglich orales Eisen ohne Erfolg. Hier braucht es u.a. Eiseninfusionen und in kurzer Zeit steigen die Werte wieder und die Beschwerden verschwinden. Ideal sind Ferritinwerte über 150 - 200,  durchaus also im männlichen Bereich. Das Transferrin (die "Einkaufstasche"), mit der das freie Eisen in das Eisenregal, den Eisenvorrat (das "Ferritin") gebracht wird, ist gerade eimal zu 7% gefüllt, also praktisch leer. Die Ursache liegt hier allerdings wie so oft nicht in der Eisenzufuhr, sondern darin begründet, dass diese Patientin jährlich geschätzt etwa 3 bis 5 Liter Blut durch ihre starke Menstruation verliert. Die Retikulozyten, ein Mass für die Blutneubildung, sind hier nicht bestimmt, dürften aber extrem erhöht sein. Eine starke Menstruation kann mit bis zu 400 ml Blutverlust einhergehen. Dies entspricht einem monatlicher Aderlass und/oder einer monatlichen Blutspende. Der Körper ist hier also dauerhaft mit der extremen Blutneubildung beschäftigt und verwendet hierfür einen Großteil seiner Energie. Dennoch: in schulmedizinischer Sicht gilt dies nicht als Krankheit, sondern lediglich als Störung des Befindens. Mit ein Grund warum die hier notwendigen Eiseninfusionen nicht von den Kassen getragen werden. 

 

 

DIE SACHE MIT DEN NORMWERTEN

 

 

Wie bei vielen anderen Blutwerten, besteht auch bei der Labordiagnostik und der Normwertbildung des Eisenstoffwechsels eine gewisse Konfusion. Die Normwerte schwanken zum einen von Labor zu Labor, als auch von Bestimmungssystem zu Bestimmungssystem. Desweiteren sind Normwerte oft unexakten Grenzwerten unterworfen. Wenn dann noch eine enorme 40 - fache Schwankungsbreite des  Ferritin "Normalwertes" von 10 bis 400 ug/l besteht, lässt dies zumindest Zweifel an der exakten Wertigkeit einer Normwertbildung aufkommen. Einen Wert von 11 wäre demnach noch "normal". Die Untergrenze für Ferritin wird aber auch nach Meinung anderer Experten (1,2,3) mit bis zu 20 ug/l als zu deutlich niedrig angesetzt.

 

Unter 70 ist mit Haarausfall zu rechnen. Optimal mit einem guten Sicherheitspuffer sind 150 - 200, und bei Männern bis zu 300.

 

Normwerte werden gewonnen indem man Datenkollektive von Großlaboren zusammenfasst und eine Verteilung errechnet. Da aber 30-50% der Frauen im Menstruationsalter ohnehin bereits unter einem chronischen (Speicher-) Eisenmangel leiden, ohne eine Anämie unter 12g/dl zu besitzen und/oder ohne symptomatisch krank zu sein, sinkt der durchschnittliche Normwert dadurch ab. Der Mangel oder die chronische Unterversorgung mit Eisen wird so zur Norm, zum Normwert. Aus Sicht der Komplementärmedizin sollten der Ferritinwert 20% über dem Mittelwert männlicher Werte sein, also durchaus 150 - 250 ug/l  sein. Insbeondere dann wenn bereits (oft unspezifische) Beschwerden vorliegen.

 

 

Literatur

 

1. Beat Schaub et al.: Das Eisenmangelsyndrom IDS (Iron Deficiency Syndrome). Eine multizentrische deskriptive Arzneimittel-Anwendungsbeobachtung. Ars Medici 1/2006: 18—22.

https://www.rosenfluh.ch/media/arsmedici/2008/09/Das-Eisenmangelsyndrom-IDS-Iron-Deficiency-Syndrome.pdf

2. P Nielsen. Eisen – Pharmakotherapie von Eisenmangel und Eisenüberladung. Allgemeine und Spezielle Pharmakotherapie , 12. Auflage, Aktories et al. Eds Kapitel 32. Elsevier (erscheint voraussichtlich im ersten Halbjahr 2017)

3. Peter Nielsen: Diagnostik und Therapie von Eisenmangel mit und ohne Anämie. 2. Auflage. UNI-MED, 2016

4. Das Eisenmangelsyndrom, Prof. Dr. med. G. Brüschke, Dr. med. E. Mehls, Berliner Lehrbuch der Charite, 1971, Verlag Aude Curare, Basel Schweiz

5. Die Eisentherapie, Dr. med. Beat Stephan Schaub, SIHO, Verlag Aude Curare, Basel, Schweiz

 

DR. MED. GUIDO C. HOFMANN

ARZT,

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