Das "Sterangerüst", die Grundlage aller Steroidhormone.

 

HORMONE - DAS VERMUTLICH KOMPLEXESTE THEMA DER MEDIZIN 

 

 

Hormone sind wohl mit das komplexeste Thema der Medizin. Dies hat eine Reihe von Gründen, die im Folgenden möglichst einfach und sachlich erläutert werden sollen.

 

 

Vorbemerkung: Die folgenden Zeilen sollen, können und müssen weder Lehrbuch sein, noch das Thema Hormone in diesem Rahmen erschöpfend behandeln. Es soll aber der Versuch unternommen sein, zumindest skizzenartig die enorme dynamische Komplexität des Themas zum zumindest grundsätzlichen Verständnis im kurzen Überblick darzustellen.

 

 

"DIE HORMONE" GIBT ES NICHT 

- ES SIND GESCHÄTZT MEHR ALS 1000

 

 

"Die Hormone" gibt es nicht. Im menschlichen Körper sind bisher mindestens etwa 150 Hormone mit unterschiedlichsten Wirkungen nachgewiesen. Das erste entdeckte Hormon war bereits 1901 das "Akuthormon" Adrenalin, 1922 das "Energiehormon" Schildrüsenhormon und 1926 das "Blutzuckerhormon" Insulin. Weitere folgten.  Man geht heute von etwa 1000 weiteren Hormonen und/oder hormonähnlichen Substanzen aus. Hormone steuern unsere Lebensfunktionen. In einer grundsätzlichen Sortierung unterscheidet man drei Haupthormongruppen:

 

1.  Aminosäurehormone (Peptidhormome) 

2.  Proteinhormone (Eiweisshormone)

3.  Steroidhormone (Fetthormone)

 

Bezüglich der Produktionsort-Wirkort-Beziehung lassen sich vereinfacht Hormone mit Fernwirkung durch die Blutbahn (endokrin) und mit Lokalwirkung von Zelle zu Zelle (parakrin) differenzieren.

                Die folgenden Zeilen beziehen sich aber einzig auf die dritte Gruppe, die Steroidhormone, und aus dieser grossen Gruppe hier die Sexualhormone (chronologisch nach dem Jahr der Entdeckung, Isolierung und Erstbeschreibung):  Östron (Butenandt, Göttingen 1929), Androstendion (Butenenandt,1931) Östriol (Marrian, London 1930), Östradiol (Schwenk, Hildebrandt, 1933), Progesteron (Butenandt, Danzig 1935), Testosteron (Laqueur, Amsterdam 1935). Man kann es nicht dezidiert genug betonen, die wirksamen und therapeutisch verwendeten humanen Sexualhormone sind "nur" diese 5, wobei das von Butenandt 1929 erstbeschriebene Östron - (das er zunächst "Progynon" benannte und für u.a. dessen Isolierung und Strukturerstbeschreibung er 1939 den Nobelpreis zugesprochen bekam) - als östrogene Speicherform gilt und heute keinen therapeutischen Einsatz mehr findet.   

                 "Die Hormone" gibt es also so wenig, wie es "die Pflanzen" oder "die Flüssigkeiten" gibt. Salopp gesagt, von " den Hormonen" zu sprechen, ist also so als ginge man in den Markt und würde um  "Flüssigkeiten" bitten, oder im Blumengeschäft nach "Pflanzen" fragen. Bedauerlicherweise aber hat diese zunächst bedeutungslos erscheinende sprachliche Unschärfe grösste negative praktische und therapeutische Konsequenzen.

 

Quellen: 1. Ergebnisse und Probleme in der Biochemischen Erforschung der Keimdrüsenhormone, Naturwissenschaften 24, 529, 545 (1936)  /  2. Butenandt, Das Werk eines Lebens. Wissenschaftliche Arbeiten. I/2, Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V., 1981

 

 

2. NATÜRLICHE HORMONE SIND KEIN "ZYANKALI", SONDERN NATÜRLICHE BIOLOGISCHE BOTENSTOFFE.

 

 

Hormone sind sachlich und biologisch wertfrei betrachtet jedenfalls nichts anderes als Botenstoffe, Signalgeber und lebensnotwendige körpereigene Steuersubstanzen. Sie agieren unter anderem wie spezielle Schlüssel, die Körperfunktionen an- oder abschalten. Ohne Hormone würde ein Mensch nicht eine Sekunde überleben. 

                Weithin bekannt ist das Akuthormon Adrenalin, das Blutzuckerhormon Insulin oder die Schildrüsenhormone. Diesen Hormonen stehen Menschen tendenziell wertfrei und neutral gegenüber. Problematisch und all zu oft erheblich angstbesetzt wird es bei dem wichtigen Antientzündungshormon Kortison und den Geschlechtshormonen Östrogen und dem Progesteron. Insbesondere bei diesen entspinnen sich in den letzten Jahren zum Teil heftigste Kontroversen. Und dies nicht nur seitens der Patienten, sondern auch der Mehrzahl der Ärzte. Und gar unter  Gynäkologen bestehen erheblichste Ängste, Unsicherheiten und oft übertriebene Vermeidungshaltungen.

 

Der Terminus Hormone ist heute (zu Unrecht) angstbesetzt

 

Alleine der Terminus "Hormone" ist seit 2002 über die Massen angstbesetzt. Empfhielt der Arzt dem Patienten heute aus therapeutischen Gründen  "Hormone", gleicht dies in der aktuellen Hormonverwirrung dem Satz, "Ich empfehle Zyankali". Zumindest lässt der praktisch regelhaft folgende Gesichtsausdruck des Patienten auf das Wort "Hormone" dies vermuten. Es wird nicht als ärztlich-empathische Zuwendung empfunden natürliche physiologische Defizite auszugleichen, sondern der Nimbus tendiert eher zur Unverantwortlichkeit des Arztes, dem Patienten (wenn auch natürliche!) Hormone zu rezeptieren.

 

"Der Arzt der Hormone aufschreibt"

 

Wie formulierte eine Patientin, "Sie sind der Arzt, der Hormone aufschreibt" (richtig, aber eben natürliche!). Sie kam dann nie wieder, dürfte aber weiterhin mit ihren Psychopharma beim einfachen PMS (Progesteronmangel) eingestellt sein, wo eine kleine Menge natürlichen Progesterons an der Ursache und nicht dem Symptom schnell geholfen hätte. "Sie sind der Arzt der Hormone ausschreibt", der Unterton bleibt jedenfalls im Gedächtnis. Vermeidet der Arzt aber das böse Wort "Hormone", bemerkt der Patient dies, so er überhaupt noch einmal den Weg in die Praxis findet, mit den Worten, "Ja, aber das waren doch "Hormone"". Wenn eben auch natürliche, denn die Ursache der Beschwerden war genau der Mangel derselben. 

 

Die Macht des medialen "Framing"

 

 Moderne multimediale Informationsverwirrung (Neuhochdeutsch Framing) jedenfalls hat es vermocht, den dem Patienten zugewandeten primär mit natürlichen physiologischen (körpereigenen) über Millionen Jahre in ewigem Versuch und Irrtum entstandenen Substanzen behandelnden Arzt zum Giftrezepteur erscheinen zu lassen, schreibt er "Hormone" auf das Rezept. Es ist eine Ironie der Fakten. Es wäre aber noch unerheblich, wie der Arzt erscheinen mag, das wirkliche Problem aber ist der Schaden und das zunehmende Hormonmangel-Leid vieler Patienten, das aktuell in einer Nachbewertung der WHI von den Verursachern des Hormon-Chaos 2002 gar kleinlaut zugeben wurde. Bis zu 90,.000 Menschen sterben heute in den USA aufgrund der derzeit überzogenen Hormonvermeidung, denn Hormone sind verantwortunsgvoll eingesetzt  sinnvoll. Die Natur macht es ja vor. (WHI Nachbewertung, 2016, Manson JE, KAUNITZ AM, Menopause management  - Getting clinical care back on track. N Engl J Med. 2016: 374: 803-806) Aber hierzu wird noch dezidiert auszuführen sein. 

                Und um das Hauptmissverständnis der aktuellen Hormonverwirrung seit 2002 gleich vornweg zu bennen: Es wird in praktisch der gesamten Literatur nicht exakt unterschieden zwischen natürlichen, vom Körper selbst produzierten Hormonen und den seit etwa 70 Jahren synthetisch hergestellten künstlichen Hormonen, also pharmazeutischen Hormonmedikamenten. Dabei liegt genau hier ein Schlüssel zur Lösung der aktuellen Hormondiskussion.

                Die heute oft zu Unrecht gescholtenen natürlichen Sexualhormone sind sachlich betrachtet jedenfalls nichts anderes als dringend notwendige natürliche Bestandteile unseres Körpers, die individuell und vom Erfahrenen sachgemäß angewandt erwiesenermassen einen positiven Nutzen für die Gesundheit und auch das Wohlbefinden bieten können.   

 

 

3. HORMONE BEWEGEN SICH UND SCHWANKEN HIN UND HER (ZYKLISCH), ZEIGEN EINEN ALTERSVERLAUF UND SIND ENORM DYNAMISCH

 

 

Bei den Hormonen handelt es um sich ein ganze Reihe komplexer Substanzen, die in dynamischen Gleichgewichten in vielfältigen Verbindungen zueinander stehen. Hormonausschüttungen unterliegen in der Regel z.B. akuten, periodischen, tageszeitlichen, monatlichen, jahreszeitlichen, emotionalen, gepulsten und/oder anderen Schwankungen. Hormone sind in ihrer Funktion also enorm dynamisch. Auch das macht natürliche Hormone so komplex. Deswegen auch ist z.B. der Bezug zum Zyklustag und die Tageszeit einer Hormonmessung von grösster Bedeutung.

                Als Beispiel sei hier der typische Monatszyklus dargestellt. Aber selbst dieser kann enormen Schwankungen unterliegen, vom völlligen Fehlen bis hin zur Dauermenstruation. Und schon hier beisst sich der endokrinologisch Unerfahrene nicht selten "die Zähne" aus. Ja, aber Herr Doktor, ich möchte es aber doch "ohne Hormone" lösen. Wenn aber die Ursache doch die natürlichen Hormone sind, hilft auch nur der Ausgleich derselben. 

 

 

4. HORMONE ZEIGEN EINEN ALTERSVERLAUF

 

Die Eierstöcke produzieren Östradiol und Progesteron

  

Im wesentlichen die Eierstöcke (Ovarien) der Frau produzieren vom etwa 10. bis zum 55. Lebensjahr, also etwa 45 Jahre lang, die beiden natürlichen Hormone 17-ß-Östradiol und das Gelbkörperhormon Progesteron. In der ersten Zyklushälfte bis zum Eisprung das 17-ß-Östradiol und nach dem Eisprung in der zweiten Zyklushälfte das Gelbkörperhormon Progesteron. 

 

Ab 40 sinkt zunächst das Gelbkörperhormon Progesteron.

Die Wechseljahre beginnen. 

 

Ab etwa dem 40. Lebensjahr beginnen die Wechseljahre, die Produktion des Gelbkörperhormons Progesteron beginnt langsam zu sinken. Dies führt in der Regel zunächst zu Unregelmässigkeiten des Menstruationszyklus wie ausfallenden Menstruationsblutungen, die sich häufig mit plötzlichen starken Blutungen abwechseln. Der zunehmende Progesteronmangel kann zudem zum prämenstruellen Syndrom (PMS) mit Stimmungsschwankungen bis hin zu Depressionen, Brustschmerzen und Wasser in den Beinen, zu Schlafstörungen und anderen Beschwerden führen.

 

Es ensteht ein relativer Östrogenüberschuss. Was bedeutet das?

 

Normalerweise stehen die beiden Hormone des weiblichen Menstrurationszyklus, das Östradiol und das Progesteron in einem monatlich wechselnden Gleichgewicht. Mit Beginn der Wechseljahre ab etwa 40 verändert sich dieses Gleichgewicht. Dadurch dass das Gelbkörperhormon zunehmend sinkt verändert sich das bisherige Gleichgewicht der körpereigenen Hormone. Es entsteht eine relative Östrogendominanz, die zunehmend zu Beschwerden führen kann.      

 

Ab 45 sinkt das Östrogen

 

In der Regel wenige Jahre später erlischt zunehmend die Produktion des Östrogen (17-ß-Östradiol). Insbesondere bei Mangel-Beschwerden werden bioidentisch nun genau diese Hormone ausgeglichen: 17-ß-Östradiol und Progesteron. Hormone also, die der Körper, die die Ovarien natürlich biologisch über im Mittel 45 Jahre selbst produziert sind. Bioidentische Homone gleichen auf natürliche Weise genau den oft mit erheblichen Beschwerden verbundenen Verlust der ovariellen Hormone aus. 

 

 

5. INDIVIDUELLE GRUNDVERANLAGUNGEN INDIVIDUELLE 

HORMONMENGEN, INDIVIDUELLE ANZAHL DER HORMONREZEPTOREN, VERKOPPLUNG MIT DEN EMOTIONEN (LIMBISCHES SYSTEM)

  

 

Die Verbindungen des hormonellen Systems mit dem Gehirn.

 

 

Die Verbindungen des hormonellen Systems mit dem Gehirn (Thalamus- Hypothalamus-Hypophysen- System) stellt die bedeuteste Verbindungen des hormonellen Systems mit der Aussenwelt und dem Nervensystem dar.

Spätestens jetzt dürfte die errhebliche Komplexität der Endokrinologie bewusst geworden sein.

 

 

Hormone wirken individuell 

 

Auch wenn immer gewisse grundsätzliche Gesetzmäßgkeiten bestehen, ist eine Hormon-Beurteilung, Befundung und Behandlung immer individuell und bedarf einer gewissen Erfahrung und auch dem sog. klinischen Blick. Was also im einen Fall hilfreich ist, muss es im anderen Fall nicht sein. Ein und der gleiche Laborbefund kann in unterschiedlichen Fällen eine andere Bedeutung haben.

 

Hormone werden unterschiedlich benannt

 

Darüberhinaus sind die Bezeichungen/Benennungen der Hormone häufig uneinheitlich und selbst für Ärzte nicht immer verständlich. So wird z.B. die Bezeichung Gestagene uneinheitlich verwandt. In einem Falle sind darunter synthetische Gestagene zu verstehen, im anderen Fall wird das natürliche physiologische Progesteron mit eingeschlossen, dabei sind Gestagene die grosses Gruppe, die die Progestine (synthestische Gestagene) einschliessen. Um Hormone aber zu verstehen und eine sachgerechte Hormontherapie durchführen zu könnnen muss hier aber klar unterschieden werden zwischen dem natürlichen Körperhormon Progesteron und der Gruppe der synthetischen Gestagene (Progestine). Hierzu wird im Folgenden näher ausgeführt.

 

DR. MED. GUIDO C. HOFMANN

Arzt,

Facharzt für Frauenheilkunde & Geburtshilfe, Pränataldiagnostik Stufe II, Kinderwunsch, 

Integralmedizin, Komplementäre Onkologie

Bioidentische Hormonbehandlung

(NATUM/DGGG)

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